Sauberkeit Vietnam [Archiv] - Fernwehforum

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Manu23
05.10.2006, 00:05
Hallo Zusammen,

Ein bekannter hat mir erzählt, dass man in Vietnam aufpassen muss was man isst. Er sagte man solle nur Dinge essen die gekocht sind, weil man sonst ziemlich schnell Dünnpfiff bekommen würde! Stimmt das?

Gruß Manu

Andreas T.
05.10.2006, 08:17
Also was das Essen in ganz Südost-Asien betrifft, so gibt es weniger ein hygenisches Problem als vielmehr ein "Bakterien-kulturelles"! Dein europäischer Körper kennt viele dieser exotischen Bakterien einfach nicht; er verhält sich da ähnlich wie der eines Säuglings: Er muss erst einmal lernen, und das kann in einigen Fällen zu den berühmt-berüchtigten Symptomen führen.
Ob du nun nur selbst ausgepacktes Obst, lauwarme Cola ohne Eiswürfel o.Ä. zu dir nimmst, verändert deine Chance auf eine Ammöben Ruhr nicht hundert prozentig. Wenn du mit Lust und gutem Appetit die Sachen isst, die appetitlich wirken, dann wirst du einen schönen Urlaub erleben.
Wenn es dich doch mal erwischen sollte, dann ist es sehr wichtig, sofort einen Arzt aufzusuchen. Der kennt sich mit deinem Problem aus, gibt dir die passenden Antibiotika und nach spätestens 3 Tagen schmeckt es dir wieder!
Die meisten Urlauber machen den Fehler, dass sie die ersten Anzeichen solch einer Ruhr nicht ernst nehmen! Wenn dir übel ist, du leichtes Fieber bekommst und dich übergeben musst, dann verliere keine Zeit. Die Infektion ist relativ harmlos und sehr gut und schnell heilbar - aber, wie gesagt, keine Zeit verlieren, sonst wird es langwierig und nervtötend!
Der Körper "merkt" sich übrigens diese Infektion und entwickelt Abwehrkräfte dagegen. Die Wahrscheinlichkeit ein weiteres Mal davon betroffen zu werden ist sehr gering.

Ich habe mich hier nicht besonders medizinisch korrekt ausgedrückt, da ich nur ein erfahrener Asienreisender bin und meine Weisheiten auf den Erklärungen meiner Ärzte und Apotheker basieren.

Lass es dir schmecken in Vietnam!

stringouve
05.10.2006, 08:25
Hallo.
Für Vietnam gilt, was für alle warmen Länder mit ähnlichem Entwicklungsstatus gilt: Lasse die Finger vom Leitungswasser, solange es nicht gekocht ist. Obst und Gemüse, das gar nicht oder in diesem Wasser gewaschen ist kann einen schon für ein par Tage aus der Bahn werfen. Obst, bei dem man die Schale nicht mit isst (wie. z.B. Bananen, Mangos, Rambutans, Papaya Apfelsinen etc.) sind kein Problem. Eiswürfel sind oft aus Leitungswasser gemacht und der Gefrierprozess tötet die Bakterien nicht - deshalb: Finger weg von Eiswürfeln, es sei denn sie sind aus sauberem Wasser gemacht.
Rohes Fleisch und rohen Fisch würde ich mir in Vietnam auch nicht gönnen. Die par Wochen ohne Sushi übersteht mal wohl-:wink:
Insgsamt kann man sagen, dass der Körper sich langsam an die Umgebung gewöhnt und man sich nach einiger Zeit schon etwas mehr trauen darf.

Andreas T.
05.10.2006, 08:39
In Vietnam (wie auch in Thailand) werden Eiswürfel in der Regel von kleinen Eisfabriken hergestellt und verkauft. Diese sind in der Regel für den Verzehr unbedenklich - man erkennt sie an der typischen Form mit dem großen Loch in der Mitte. Nur in entlegenen Dörfern kommt es vor, dass Eiswürfel aus Leitungswasser gemacht werden.

Obst wird meist gar nicht gewaschen, sondern vor deinen Augen geschält. Ist das der Fall: Auch kein Problem!

Was den rohen Fisch angeht, muss ich dir unbedingt recht geben. So etwas habe ich aber in Vietnam nie gesehen! Ausserdem denke ich, dass man Sushi vielleicht in Saigon in etwas besseren Hotels oder entsprechenden Restaurants bekommt und dann hätte ich wieder weniger Bedenken.

Etwas gesunder Menschenverstand sollte auf jeden Fall bei der Auswahl der Speisen angewandt werden, aber insgesammt halte ich das Essen in Vietnam für unbedenklich!

heikoJT
12.10.2006, 21:33
Meine Erfahrung ist, dass man Thailand mit Vietnam in dieser Hinsicht nicht vergleichen kann. Die Gefahr sich etwas zu holen ist in Vietnam ungleich grösser. weil nämlich viel in kleinen Sweatshops produziert wird, wo auch gelebt wird.
Ich würde dringend empfehlen, in Vietnam keine Getränke mit Eiswürfeln zu nehmen. Auch frische Salate können schon gefährlich sein. Be careful!!!!

cailler
13.10.2006, 17:47
Habe in dieser Hinsicht in Vietnam nie schlechte Erfahrungen gemacht und es wäre doch schade, nur wegen den Eiswürfel auf einen eiskalten und frisch gepressten "sugar cane juice" zu verzichten. Hatte in Vietnam den Eindruck, dass das Leitungswasser definitiv die bessere Qualität hatte als manch ein Europäisches Land (zB. England) oder auch im Vergleich zu Thailand.

Bin auch der Meinung, dass man im Allgemeinen etwas gesunden Menschenverstand brauchen sollte und am besten verpflegt man sich dort, wo das Lokal (auch Strassenküchen) voll ist und sich auch viele Vietnamesen aufhalten.

In diesem Sinne: Gutten Appetit!

AsiaHeinz
13.10.2006, 23:46
Erstens, Leitungswasser trinken würde ich in Asien überhaupt nirgens. Eis ist nicht gleich Leitungswasser zumindest nicht in Thailand.
Zweitens, gesunder Menschenverstand nützt nicht viel. Das einzige auf was man achten kann ist, das es dort wo man isst genügend Kunden hat. Dann hat man eine recht hohe Wahrscheinlichkeit das die Speisen nicht zulange herum gelegen haben.

Jedes mal als ich mir etwas eingefangen habe, war es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an Orten gewesen, wo wohl der "gesunde Menschenverstand" der meisten gesagt hätte, hier ist das Essen in Ordnung.

Und zuletzt, und dies ist das wichtigste. Es reagiert jeder Mensch anders. Wer weiss das er einen empfindlichen Magen hat, muss wesentlich mehr aufpassen als Leute mit einem Rossmagen (hoffe dies versteht man in D auch).

Restrisiko bleicht aber immer.

Heinz

epsilon5
20.10.2006, 12:17
gebe asiaheinz recht
für mich ist aber auch eine gute portion glück dabei.wie verhälst du dich ,wenn die nette alte frau vom noodlesoupe stand ,nur weil weil du sonst von gegenüber eine cola mitgebracht hast und jetzt die "rutine" unterbrichst.sie sich beilt und in einem der umliegenden shops verschwindet und mit einem glas zerschlagenem blockeis zurückkommt ,extra für dich.
wie rettet ihr euch aus solchen situationen?die frau war so nett ,habe das wasser dann getrunken und glück gehabt.algemein glück gehabt mit dem essen .das mit dem blick in die küche !?! ich wäre verhungert für den fall ,dass ich die kriterien von vor der reise durchgezogen hätte.hatte den grossen anfall nach einem leckeren curry in westlondon. das rest. war eins der gehobenen mittelklasse.
gruss
epsilon5

Andreas T.
20.10.2006, 17:25
Also jetzt möchte ich mich doch noch einmal zu Worte melden. Wenn ich von gesundem Menschencerstand rede, dann gehe ich von einer gewissen Lebenserfahrung, angemessenem Verhalten und ein Wenig korrekter Selbsteinschätzung aus. Ich war bisher über 40 mal in Südost Asien und habe mir nur ein einziges Mal eine Amöben-Ruhr eingefangen. Und genau gesagt war das gar nicht in Südost Asien sondern in dem Drecksland Indien.
Wenn jemand noch nie in einem exotischen Land war, dann sollte er sich natürlich an die Dinge herantasten und nach und nach ausprobieren, was ihm bekommt und was nicht. Ausser ernsthaften Lebensmittelvergiftungen, die sehr selten vorkommen und wo dann auch die Einheimischen gleichermaßen betroffen sind, handelt es sich bei den meisten ernährungsbedingten Problemen um eben diese Amöben-Ruhr. Und die lässt sich, wenn man schnell genug zum Arzt geht, sehr leicht und rasch mit entsprechenden Antibiotika behandeln. Das dauert 3-4 Tage und danach hat man wieder Appetit!
In der Regel ist solch eine Erkrankung verbunden mit einer gewissen Immunisierung des Körpers gegen die Erreger. Ergo: Die nächste Nudelsuppe verträgst du dann plötzlich.
Überlegtes Vorgehen ist gut, Panik sollte man aber nicht verbreiten, da einem das den Urlaub verdirbt und die Chancen nimmt, interessante und vielfältige kulinarische Erlebnisse zu haben.

P.S.: Was als Auslöser von Magen-Darmbeschwerden oft übersehen wird sind viel zu kalte Drinks in einer für den Körper ungewöhnlich heissen Umgebung. Meist ist es gar nicht unsauberes Eis, welches daran schuld ist, sondern "zu kaltes" Eis!

Tom Yam
20.10.2006, 23:49
Hallo,
auf bisher zwei Vietnamreisen habe ich so ziemlich alles gegessen, was auf den Tisch kam (nur die Schweineblut-Kaltschale habe ich verschmäht, das war aber mehr ein Ekel-Problem) und mir ist alles bekommen. Die auffälligste Eigenart der vietnamesischen Küche war für mich die Tatsache, dass zu allen Gerichten Unmengen an frischen Kräutern (Berge von Minze, Basilikum, Koriander und anderem Grünzeug) auf den Tisch gestellt werden, mit denen man die Speisen geschmacklich aufmotzen kann. Obwohl es gegen das verbreitete Touri-Dogma "Keine Salate!" verstößt, habe ich auch da kräftig zugelangt, ohne irgendwelche negativen Folgen festzustellen. Auch Eiswürfel in Getränken habe ich konsumiert.

Leitungswasser würde ich wie überall in den Tropen nicht trinken, aber auch hier gilt die alte Paracelsus-Weisheit "die Dosis macht das Gift". Kleine Mengen sind unbedenklich, also auch Zähneputzen und das, was man beim Duschen zwangsläufig in den Mund bekommt. Da machen ein paar Eiswürfel das Kraut auch nicht mehr fett. Ich hatte auf Reisen immer den Eindruck, dass ein gesundes Immunsystem einiges wegstecken kann, krank werden seltsamerweise immer nur die Überängstlichen - kein Wunder, wo doch deren Immunsystem keinerlei Training bekommt. Wer schon als Kind nur auf sagrotangewischten Böden spielen durfte (wie es die Werbung unserer degenerierten Konsumgesellschaft suggeriert), den haut halt schon der lächerlichste Bazillus um. Wer aber schon zuhause einigermaßen unbeschwert lebt und wen der werbungsgeförderte Hygienewahn noch nicht dazu getrieben hat, seine Wohnung in Hochreinsträume zu verwandeln ("wohnst Du noch oder stellst Du schon Microchips her?"), der dürfte auch in Vietnam unbeschwert den Tag genießen können, ohne großartig auf irgendetwas verzichten zu müssen.

Reisedurchfall (lästig, aber harmlos) kenne ich natürlich auch. Der ließ sich aber immer auf ein Temperaturproblem zurückführen, sei es durch zu viele eisgekühlte Getränke (auch ohne Eiswürfel, es reicht ein Bier aus dem Tiefkühlfach mit Eiszapfen am Flaschenboden) oder auch durch den Wechsel von tropischer Hitze in die Aircon-Arktis mancher Hotels oder Überlandbusse. Der vergeht aber wieder nach ein paar Tagen.

Gruß
Tom Yam

Ritterburg
21.10.2006, 00:45
wohnst Du noch oder stellst Du schon Microchips her?
:biggrin: :biggrin: :biggrin: Großartig!

wobei, ich als Medikamentenverweigerer muss leider zugeben, dass mir nur eine Imodium-Tablette mal so richtig aus der Patsche geholfen hat. So ´ne kleine Reiseapotheke ist schon nicht schlecht. Es lag auch bestimmt nicht am zu kalten Bier, wir bestellen gerne nach dem Antrinken gleich ein neues, das dann in Ruhe mitteleuropäische trink Temperaturen annehmen kann. Sollte es vielleicht doch an der Menge gelegen haben :rolleyes: ?

Andreas T.
22.10.2006, 11:19
...wobei, ich als Medikamentenverweigerer muss leider zugeben, dass mir nur eine Imodium-Tablette mal so richtig aus der Patsche geholfen hat. ...

Das kann mal die richtige Therapie sein, ist es aber allzu oft nicht. Imodium hilft in erster Linie gegen Durchfall. Der Durchfall ist aber eine Funktion um Giftstoffe aus dem Körper zu befördern. Erst wenn der Körper gefährlich zu dehydrieren droht oder man z.B. gerade seinen 12stündigen Heimflug antreten muss, sollte man zu Imodium greifen.

Tom Yam
22.10.2006, 12:30
Ja, eine Reiseapotheke mit den gängigsten Mitteln gegen die üblichen Unpässlichkeiten macht immer Sinn. Ich habe auf jeder größeren Reise eine im Gepäck und Immodium gehört auch dazu.

Sicher ist dieses Mittel keine Therapie; einen Reisedurchfall sollte man zweckmäßigerweise an einem passenden Örtchen einfach aussitzen :biggrin: - nur ist das eben nicht immer möglich. Wenn etwa eine größere Reiseetappe nicht mehr zu verschieben ist, hat man ein logistisches Problem, das man mit Immodium als provisorische Nothilfe umgehen kann. Genau das ist auch der Sinn dieses Medikaments. Zum Therapieren empfiehlt sich Perenterol, das eine gestörte Darmflora wieder aufbauen hilft. Aber das dauert halt auch ...

Gruß
Tom Yam