Mönche in Laos [Archiv] - Fernwehforum

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nats
22.08.2006, 13:18
Hallo zusammen! wollte hier mal nachfragen, ob vielleicht jemand von euch in Laos mit Mönchen Bekanntschaft gemacht hat, die dann ihre Ausbildung von einem finanziert haben möchten?
Wir waren nämlich im Juni in Laos unterwegs. In Vientienne hat uns dann ein junger Mönch angequatscht, woraus sich ein netter, unterhaltsamer Nachmittag entwickelt hat. Er fragte uns wohin wir als nächstes fahren und prompt hat er sich uns angeschlossen, natürlich haben wir ihm die Reise zu seiner Familie nach Luangprabang finanziert... (war ja auch OK). Danach haben sich unsere Wege nach Adressaustausch getrennt. Gestern ist dann ein Brief bei uns ins Haus geflattert, von eben jenem, mit der Frage um finanzielle Unterstützung...
Weiß vielleicht jemand näheres darüber, ist das mitlerweile so üblich?
Ich habe auch schon gehört, dass junge Mönche dazu angehalten werden, Touris anzuquatschen, um dann diese Nummer abzuziehen...
vielleicht weiß ja eine/r von euch mehr zu diesem Thema, würd mich sehr freuen, was von einem/er von euch zu lesen.
lg nats

Tom Yam
25.08.2006, 16:23
..... ich habe auch schon gehört, dass junge Mönche dazu angehalten werden, Touris anzuquatschen, um dann diese Nummer abzuziehen...

Hallo nats,

das halte ich eher für ein übles Gerücht, würde das doch sämtlichen buddhistischen Mönchsregeln (weltlichem Besitz abzuschwören usw.) widersprechen. Trotzdem sind natürlich auch Mönche nur Menschen, die hin und wieder einer Versuchung erliegen. Aber dass sie dazu "angehalten" werden, kann ich einfach nicht glauben. So dekadent ist der Buddhismus noch nicht mal in Thailand und erst recht nicht im relativ ursprünglichen Laos.

Möglicherweise werden junge Mönche aber dazu angehalten, den Kontakt zu Touristen zu suchen, um ihre in der Klosterschule erworbenen Englischkenntnisse zu trainieren. Zumindest wird das mit Begeisterung praktiziert, wie ich auch schon öfters erlebt habe und das ist ja auch absolut in Ordnung.

Nun ist es aber so, dass westliche Touristen in einem armen Land wie Laos als "unendlich reich" gelten, so reich, dass es das Vorstellungsvermögen eines schlichtgestrickten laotischen Jugendlichen übersteigt. Logischerweise möchte er beim small talk mit der exotischen Langnase möglichst viel über diese und deren heimatliche Lebensumstände erfahren. Manche fragen sehr direkt, und nach den einleitenden Floskeln wie "what is your name?" und "where do you come from?" geht es dann bald ans Eingemachte: "are you married?", "how many children?" usw. Auf die Frage "what is your job?" folgt fast zwangsläufig "what is your salary?". Dem so Verhörten bleibt es dann überlassen, ob er ausweichend mit "it's o.k.", "not enough" oder - sehr problematisch - mit einem konkreten Betrag antwortet. Das letztere wird kaum zu realistischen Einschätzungen beitragen, weil der Fragesteller nur den in seinen Augen astronomisch hohen Betrag wahrnimmt - ohne freilich unsere Lebensumstände zu kennen. Welcher Laote kann sich denn schon vorstellen, dass unseren unvorstellbar hohen Einkommen auch horrende Ausgaben gegenüberstehen? Dass allein für die Heizkosten (was ist das?) einer deutschen Wohnung mehrere Jahreseinkommen eines Durchschnittslaoten (390,- USD) notwenig sind und ein einziger Friseurbesuch in Germany mehr als das Monatsgehalt eines laotischen Lehrers verschlingt? Wenn man schon Zahlen nennen soll, machen solche Ausgabebeispiele durchaus auch Eindruck; allerdings wird unsereiner das Stigma des "Superreichen" dadurch nicht los.

Aber ich schweife schon wieder ab ... In Deinem geschilderten Fall war es wohl so, dass der neugierige Mönch sich einfach "experimentell" an Deine finanzielle Potenz und Ausgabebereitschaft herangetastet hat, ohne tatsächlich eine Leistung zu erwarten. Kann natürlich auch sein, dass er schon positive Erfahrungen mit anderen Touris hatte und es einfach mal "probiert" hat, ob er wohl eine Familienheimfahrt spendiert bekommt. Selbst wenn er direkt danach gefragt haben sollte - eine positive Reaktion hat er vielleicht nicht unbedingt erwartet. So gesehen war Eure "Sachspende" mehr als großzügig. Und ein solches überraschendes Erfolgserlebnis ermutigt natürlich dazu, noch weiter auszuloten, was bei dem blasshäutigen "big spender" zu holen ist. Schließlich scheinen für den ja alles nur "peanuts" zu sein.

Kurz und bündig: ein neugieriger, positiv überraschter laotischer Jungspund checkt hier einfach mal, was noch alles geht. Dahinter das Kloster als Anstifter zu vermuten, halte ich für abwegig. Das war eine gleichermaßen unbefangene wie naive Privatinitiative. Dass das mönchische Jungvolk solche Erfahrungen sammelt und auch untereinander austauscht, dürfte ja klar sein. Und dass allzu viele und große Erfolgserlebnisse Folgen haben, die der Klosterpädagogik zuwiderlaufen, auch. Ich würde die Anfrage deshalb nicht beantworten bzw. nicht darauf eingehen. Unhöflich wäre das nicht, aber vielleicht notwendig-ernüchternd.

Gruß
Tom Yam

AsiaHeinz
25.08.2006, 19:49
Ich sehe dies nicht so eng. Was südlich des Mekong in Thailand schon seit Jahren üblich ist, das monatlich Millionen von Baht aus Europa oder Amerika nach in den ländlichen Nordosten fliessen, schläg nun auch langsam auf Laos über.

Wenn euch an einer Weiterführung dieser Freundschaft zu einem Mönch in Laos etwas liegt, und euch das Geld nicht weh tut, dann helft ihm doch. Teuer kann dies nicht sein. Müsst nur klare Grenzen setzten, und genau sagen für was das Geld ist. Es wird das Laotische Gesellschaftsystem nicht aus den Fugen werfen wenn diesem jungen Mönch Ausländer das Studium finanzieren. Die Ausreden man dürfe solches betteln nicht unterstützen sind nur Ausreden um sich nicht selbst engagieren zu müssen.
Ihr könnt es ja als euer ganz privates Entwicklungsprojekt betrachten. Dafür könnt ihr euch einen Kontakt zu einem Laoten aufrecht erhalten, und eine solche Freundschaft kann über viele Jahre halten.

Heinz

Tom Yam
26.08.2006, 15:17
Na ja, eng sehe ich das eigentlich auch nicht. So wie ich aber die Eingangsfrage verstanden habe, bezog die sich ausdrücklich auf Mönche und darauf, ob diese vom Abt oder anderen klösterlichen Autoritäten "dazu angehalten" werden, mehr oder weniger begüterte Touris anzupumpen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass dem nicht so ist und dass alles, was über das übliche "tam boon" (der Mönchsgemeinschaft die tägliche Reisration zu schenken) hinausgeht, nicht gerade den Grundsätzen des Mönchstums entspricht und als individuelle Einzelaktion zu werten ist.

Darüber hinaus habe ich versucht, die möglichen Gedankengänge des jungen Mönchs nachzuvollziehen, muss aber einräumen, dass dieser Versuch auf reiner Spekulation beruht. Genauso spekulativ wie eben die Vermutung, Bettelkritiker wollten sich vor jedem Engagement drücken.

Wir sind nun mal nicht in der Lage, die gesamte Welt zu sanieren und deshalb muss jeder, der sich engagieren will, Prioritäten setzen. Der eine unterstützt dann eben Freunde oder angeheiratete Verwandschaft in Südostasien, dem anderen sind Aufforstungsprojekte in Nepal oder das Überleben der letzten Berggorillas in Ruanda wichtiger. Das alles ist völlig in Ordnung und es bleibt jedem Einzelnen - auch dem Threadstarter - überlassen, ob und wofür er etwas beitragen will. Und das ist gut so. Sich darüber einige (auch kritische) Gedanken zu machen, ist noch besser.

Gruß
Tom Yam

AsiaHeinz
26.08.2006, 15:29
@Tom Yam:

Wollte eigentlich auch gar nicht deinen Gedankengängen wiedersprechen. Bin auch der Meinung dass dies nicht vom Kloster auskommt.
Aber auch Mönche leben nicht immer so wie wie es unserem Klischee entspricht. Ausserdem sind die meisten Mönche nur Mönche auf Zeit. Und die müssen sich natürlich um ihre Zukunft danach kümmern. Oft haben auch ihre Familien grosse Erwartungen, vorallem wenn es der einzige Sohn ist.

Heinz

Tom Yam
26.08.2006, 15:45
Hallo Heinz,

da stimme ich Dir in allen Punkten zu. Ich hoffe nur, dass für den Threadstarter jetzt nicht "alle Klarheiten beseitigt" sind und er mit unseren Antworten etwas anfangen kann.

Gruß
Tom Yam

AsiaHeinz
26.08.2006, 15:49
Na ja, ob er nun diesen Mönch wirklich unterstützen soll, muss er natürlich selber entscheiden. Dies kann ihm niemand abnehmen.

Heinz

Andreas T.
30.08.2006, 09:54
Was AsiaHeinz und Tom Yam (was für ein leckerer Name!) hier ausgeführt haben bestätigt sich eigentlich gegenseitig. Beide Meinungen teile ich auch.
Vielleicht noch ergänzen würde ich, dass viele Mönche in Vientiane in einer ziemlich privilegierten Situation sind. Sie haben eine erheblich bessere Infrastruktur zur Verfügung als im übrigen Land, haben eben auch regelmäßigen Kontakt zu Touristen und darüber hinaus bessere Studienmöglichkeiten.
Wenn man einen Menschen in einem Land wie Laos kennen lernt, dessen perönliches Schicksal einem am Herzen liegt, dann sollte man ihn ruhig im Bereich der eigenen Möglichkeiten fördern. In diesem Fall würde ich dann aber dringend dazu raten, den Werdegang der Person und die Verwendung der Mittel genau zu verfolgen, nach Möglichkeit sogar u.A. durch regelmäßige Besuche.
Laos braucht gebildete und ausgebildete Menschen, wenn auch nicht nach unseren europäischen Maßstäben. Was es nicht braucht ist wucherndes Konsumdenken wie es z.T. in Thailand herrscht.

Tom Yam
30.08.2006, 13:28
Laos braucht gebildete und ausgebildete Menschen, wenn auch nicht nach unseren europäischen Maßstäben. Was es nicht braucht ist wucherndes Konsumdenken wie es z.T. in Thailand herrscht.
..... und keine landschaftsverschandelnden Blaudachziegelhäuser und ähnlichen Firlefanz und schon gar keine "Amerikanisierung light" mit Kentucky Fried Grasshopper etc. Ich gönne den Laoten aber einen gediegenen Wohlstand, der die eigenen Wurzeln und Traditionen respektiert und pflegt, wie es etwa in der Schweiz funktioniert. Man wird ja noch träumen dürfen .....

nats
30.08.2006, 17:22
freut mich, dass hier so eine anregende Diskussion entbrannt ist :wink:
wir haben praktisch die selben Argumente stundenlang gewälzt und diskutiert, da ich aber zum ersten Mal in Laos war und anscheinend "Thailand-verseucht" bin hab ich den Part der Kritikerin übernommen...
wir sind aber, Dank Eurer Anregungen darüber ein gekommen unser persönliches Hilfsprojekt zu starten.
Jetzt ist die Frage ist nur noch, wie schickt man Geld und kann sich sicher sein, dass es auch besagter bekommt... geht sowas auch über die Botschaft oder irgendwie so? mhhh da sollt ich mich mal schlau machen.
Danke auf jeden Fall für Eurer Interesse und Eure Kommentare!
LG nats

AsiaHeinz
30.08.2006, 19:39
Geld schicken nach Laos ist nun ein weitere Problem. Ich denke Western Union könnte da eine Möglichkeit sein:

http://www.westernunion.com/

Der Empfänger erhält das Geld sofort. Du bezahlst das Geld ein und erhälst dann einen Code. Dieser Code musst du dann dem Empfänger übermitteln, am besten per Telefon und der kann dann das Geld bei einer beliebigen Westerunionstelle gegen Vorweisung eines Ausweises und diesem Code abholen.

Ich würde ihn aber zuerst fragen wie ihr das Geld am besten übermitteln sollt, evt. weiss er sogar wie dies am besten geht.

Heinz

Andreas T.
31.08.2006, 09:25
..... und keine landschaftsverschandelnden Blaudachziegelhäuser und ähnlichen Firlefanz und schon gar keine "Amerikanisierung light" mit Kentucky Fried Grasshopper etc. Ich gönne den Laoten aber einen gediegenen Wohlstand, der die eigenen Wurzeln und Traditionen respektiert und pflegt, wie es etwa in der Schweiz funktioniert. Man wird ja noch träumen dürfen .....

Du sprichst mir aus der Seele!


@ nats:

Ich würde aber zunächst einmal in Erfahrung bringen, was der Schützling konkret mit dem Geld anfangen will. Besser finde ich, gezielt Maßnahmen zu finanzieren wie z.B. eine Ausbildung, ein Studium o.Ä. und nicht einfach einen beliebigen Betrag zu überweisen.

AsiaHeinz
31.08.2006, 16:54
ja der Vergleich mit der Schweiz ist gut. Habe zwar nicht verstanden, wie es gemeint ist.

Das Problem ist aber, das auch Laos kein Frielichtmuseum ist, das von uns als Disneyland benutzt werden kann um im Urlaub den Kick zu holen, sondern die Menschen dort genau so nach Wohlstand und Konsum streben wie wir auch.
Ob dies gut oder schlecht ist, sei dahin gestellt.

Heinz